Zum Artikel springen
Andrea Neßler - Huforthopädin nach Jochen Biernat

Hufbeschlag? Ja, aber...

Ich als Huforthopädin bringe keine Beschläge an. Trotzdem ist es mir ein Anliegen ein paar Worte über die Grenzen von Sinn und Unsinn der Beschläge zu äußern:

Der Eisenbeschlag wurde als Hufschutz erfunden, um Pferde uneingeschränkt nutzbar zu machen, d.h. um eine Unabhängigkeit vom Wachstum der Hufe herzustellen. In diesem Sinne sind Beschläge meiner Ansicht nach vertretbar.

Dennoch sollte man den Gebrauch kritisch hinterfragen, denn besonders die Eisenbeschläge haben auch viele negative Auswirkungen auf die Hufe und die Gliedmaße:

  1. Hufeisen vermindern, da sie die Beweglichkeit der Hornkapsel stark reduzieren, die Durchblutung des Hufes, was zur Verschlechterung der Hornqualität führt
  2. Das Aufbrennen der Eisen macht das Horn spröde.
  3. „Eisenpferde“ gehen meist unvorsichtiger mit ihren Beinen um, weil sie ihrer Tastsinne im Großen und Ganzen beraubt sind. Spontane Verletzungen kommen häufig vor.
  4. Hufe verbiegen sich unter den harten Eisen. Untergeschobene, eingerollte Trachten sind „normal“! Die Fehlbelastung wird somit eingeleitet und schreitet fort.
  5. „Fehlstellungen“ und „Fehlbelastungen“ können unter Eisen (und seien die Eisenkonstruktionen noch so aufwändig) NICHT behoben werden. In vielen Fällen werden lahmende Pferde durch Beschläge, als „Schmerzmittel“ eingesetzt, lauffähig gehalten.
    Da die eigentlich krankmachenden Ursachen nicht behoben sind, werden sich die Hufzustände verschlechtern, eventuelle Lahmheiten wieder auftreten.

Fazit:

Barhufpferde haben bei korrekter Bearbeitung generell gesündere Hufe als Eisengänger. Dennoch ist es sinnvoll, bei hohem Hornabrieb auf gesunde Hufe einen Hufschutz anzubringen.

Um die negativen Einflüsse auf die Hufe minimal zu halten, sollten sie folgende Punkte beachten:

Im Sinne des Tierschutzes , ist es nicht vertretbar ein Pferd „mit Gewalt“ zum Laufen zu bringen, indem man Beschläge „als Schmerzmittel“ einsetzt und durch die Unterbindung der Hufmechanik ein Pferd lauffähig hält: Durch die weitere Nutzung von krankhaft veränderten Hufen wird die Krankheit schleichend fortschreiten und sich erst wieder bei drastischer Verschlechterung bemerkbar machen. (Verknöcherungen, Arthrosen, Extosen...)

 

Seitenanfang